Das Bündnis ”Gemeinsam gegen Sexismus“

Sexismus ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Er würdigt Menschen aufgrund ihres Geschlechts herab. Er begegnet uns täglich, in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Dem will das Bündnis “Gemeinsam gegen Sexismus“, das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert und von der EAF Berlin gemeinsam mit diesem durchgeführt wird, entschieden entgegentreten. Ziel ist es, Sexismus und sexuelle Belästigung zu erkennen, hinzusehen und wirksame Maßnahmen dagegen zu verankern.

Eine Gesellschaft, in der Sexismus und sexualisierte Gewalt keinen Platz haben – das ist das gemeinsame Ziel aller Mitwirkenden im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“, das im Frühjahr 2023 gegründet wurde. Rund 900 Organisationen – darunter zahlreiche Unternehmen, Kommunen, staatliche und nicht-staatliche Institutionen, Vereine und Verbände – haben bereits die „Gemeinsame Erklärung gegen Sexismus und sexuelle Belästigung“ unterzeichnet und bilden das branchenübergreifende Netzwerk. Um weitgreifend strukturelle Veränderungen zu bewirken, soll das Bündnis sich weiter vergrößern.

Sexismus ist in unserer Gesellschaft tief verankert und hat schwerwiegende Folgen: Neben geschlechtsbezogener Diskriminierung und Chancenungleichheit bietet er den Nährboden für sexualisierte Belästigung und Gewalt. Das Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ wurde 2023 mit Partnern gegründet, die zuvor in den „Dialogforen gegen Sexismus“ zusammengearbeitet haben. Die Arbeit des Bündnisses basiert auf der Erkenntnis, dass kultureller Wandel – hin zu Respekt, Fairness und Gleichwertigkeit – nur gelingt, wenn unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen vernetzt zusammenarbeiten und praxisnahe, anschlussfähige Lösungen erproben.

Das BMBFSFJ setzt mit der EAF Berlin das Projekt seit 2026 fort und will ein noch breiteres, gesamtgesellschaftliches Bündnis schmieden, das sich gemeinsam gegen Sexismus und sexuelle Belästigung einsetzt und das einen besonderen Fokus auf den Arbeitsmarkt legt. Wir wollen weitere Mitglieder aus Wirtschaft, Mittelstand und Handwerk sowie Kommunen, Verwaltung, Gesundheit, Medien, Kultur und Zivilgesellschaft gewinnen. Dabei adressieren wir auch Gruppen, die aufgrund von Mehrfachdiskriminierung besonders von Sexismus betroffen sind.

“Sexismus ist kein Randphänomen – er begegnet uns im Alltag, in der Arbeitswelt, in Medien, in der Kultur und im öffentlichen Raum. Frauen und Mädchen erleben noch immer, dass sie nicht mit dem gleichen Maß an Respekt behandelt werden wie Männer. Das betrifft ihre beruflichen Chancen genauso wie ihre Sichtbarkeit und Sicherheit – erst recht die Teilhabe an unserer Gesellschaft. Als Frauenministerin sage ich klar: Das dürfen und werden wir nicht hinnehmen.

Eine offene, demokratische und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft lebt vom respektvollen Miteinander. Davon, dass Menschen sich frei entfalten können, ohne Angst vor Herabwürdigung oder Ausgrenzung. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dieser Anspruch Wirklichkeit wird – durch klare Regeln im gesellschaftlichen und beruflichen Alltag, durch Wissensvermittlung und durch die Stärkung jener, die sich tagtäglich für Respekt, für Gleichberechtigung und gegen Sexismus einsetzen.

Das Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ setzt dabei ein starkes Zeichen: Mehr als 800 Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Kultur und Medien haben sich zusammengetan, um Haltung zu zeigen und Veränderungen anzustoßen. Ich danke allen, die mitmachen – mit praktischen Maßnahmen, mit klaren Worten und mit dem Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Falls Sie noch nicht dabei sind, lade ich Sie herzlich sein: Werden Sie Teil unseres Bündnisses „Gemeinsam gegen Sexismus“.  Stärken wir Gleichstellung gemeinsam! Wir brauchen diese tragenden Säulen unseres demokratischen Gemeinwesens – in der Arbeitswelt ebenso wie in allen anderen Lebensbereichen.“

Karin Prien, Bundesfrauenministerin und Schirmherrin des Bündnisses “Gemeinsam gegen Sexismus”
Foto von Bundesfrauenministerin Karin Prien vor blauem Hintergrund
© Foto: Dominik Butzmann / photothek

Bei sogenannten Impulslabs und anderen Veranstaltungsformaten entstehen Austausch und Wissen über konkrete Maßnahmen gegen Sexismus. Die Ergebnisse werden den Bündnismitgliedern und anderen Interessierten über Publikationen, soziale Medien und die Website zur Verfügung gestellt. Dabei werden Fachleute aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft mit Bündnismitgliedern aus anderen Bereichen und Branchen vernetzt.

Das Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ fungiert dabei nicht nur als Wissensspeicher, Anlauf- und Vernetzungsstelle, sondern auch als Think Tank: Durch eigene Studien und Erhebungen schaffen wir neue Wissens- und Datengrundlagen.

Mit einer öffentlichen Fachkonferenz werden wir einen branchenübergreifenden und internationalen Austausch zu Maßnahmen gegen Sexismus am Arbeitsplatz ermöglichen. Mit Workshops, Beratungsangeboten, Ausstellungen, audiovisuellen Angeboten sowie Handreichungen für verschiedene Branchen und Zielgruppen bietet das Bündnis weitere Formate, um das Wissen über Sexismus in seinen unterschiedlichen Dimensionen sowie entsprechende Gegenmaßnahmen zu vertiefen und verbreiten.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Über unsere reichweitenstarken Kanäle auf Instagram und LinkedIn machen wir Maßnahmen gegen Sexismus, sexuelle Belästigung und Diskriminierung sichtbar. Gleichzeitig treten wir in den Austausch mit unserer Community, sensibilisieren für relevante Themen und informieren transparent über die Aktivitäten und Ziele des Bündnisses. Über Social Media sprechen wir vielfältige Zielgruppen an und erreichen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Hintergründen. Gemeinsam mit unseren Bündnismitgliedern informieren wir in kompakten Kurz-Kampagnen zu einzelnen Themen und Branchen, setzen Impulse und machen wichtige Anliegen sichtbar.

In einem beratenden Gremium kommen Vertreterinnen der EAF Berlin, des BMBFSFJ sowie Fachleute aus ausgewählten Organisationen, Institutionen und Branchen zusammen. Es gibt Bündnismitgliedern aus verschiedenen Bereichen die Möglichkeit, ihre Perspektiven, Themen und fachlichen Impulse in die Ausgestaltung des Projektes einzubringen.

Ab 2026 setzten wir einen besonderen Fokus auf folgende Bereiche, um Wissen und Maßnahmen für Respekt und Fairness in Gesellschaft und Arbeitswelt zu verbreiten und zu verankern:

Sexismus in der Arbeitswelt:

Studien zeigen, dass Sexismus am Arbeitsplatz besonders häufig auftritt und präventive Maßnahmen wirksam greifen können. Ein weiterer Fokus liegt auf der gezielten Ansprache spezifischer Zielgruppen, insbesondere von Führungskräften, die eine wichtige Rolle für eine faire Betriebskultur ohne Sexismus spielen. Für kleine und mittlere Unternehmen werden passgenaue, praxisnahe Formate entwickelt, die in Sprache, Rahmung und Umfang gut anschlussfähig sind. Dies ist umso wichtiger, da es in diesen Unternehmen oft keine Gleichstellungsbeauftragte oder formalisierten Beschwerdestrukturen gibt.

Männer als Verbündete gewinnen:

Das Bündnis verstärkt außerdem die gezielte Ansprache und Einbeziehung von Männern als aktive Verbündete. Dazu sollen praxisnahe Werkzeuge – von Reflexionsfragen über Interventionstipps bis hin zu Argumentationshilfen – erarbeitet und bereitgestellt werden, die Männern helfen können, in ihrem beruflichen und privaten Umfeld aktiv gegen Sexismus einzutreten.

Dabei baut das Projekt auf den bisherigen Erfolgen und Netzwerken des Bündnisses auf und führt diese konsequent weiter.

Materialien und Handlungsempfehlungen

Das Bündnis hat seit seiner Gründung 2023 bereits folgende Themen fokussiert und Materialien mit Handlungsempfehlungen erarbeitet:

Sexismus in der Arbeitswelt

Sexismus in der Arbeitswelt äußert sich auf vielfältige Weise und schadet Organisationen und Institutionen. Das Bündnis unterstützt diese auf dem Weg zu einer respektvollen Betriebskultur, beispielsweise durch die Bereitstellung von Materialien. Diese werden kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei richtet sich das Angebot insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen sowie Handwerksbetriebe. Siehe hier

Sexismus im Öffentlichen Raum

Der öffentliche Raum und öffentliche Verkehrsmittel sind ein häufiger Ort für Sexismus. Die Folgen sind ein fehlendes Sicherheitsgefühl und Angst. Durch Angebote wie die Print-on-Demand-Ausstellung „Gemeinsam gegen Sexismus“ und ein Infoposter unterstützt das Bündnis Kommunen und andere Organisationen dabei, über Sexismus aufzuklären.

Sexismus in Kultur und Medien

Sexismus in Kultur und Medien: Sexualisierte Übergriffe im Kulturbetrieb werden seit 2017 unter dem #MeToo weltweit skandalisiert und sind Auslöser einer globalen Bewegung, die das Thema sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch ins Bewusstsein der Menschen rückt. Durch Arbeitshilfen wie etwa „Kompetent über geschlechtsspezifische Gewalt kommunizieren – Ein Praxisleitfaden für Führungskräfte und Mitarbeitende aus der Medien- und Kommunikationsbranche“ unterstützt das Bündnis Führungskräfte und Mitarbeitende aus der Medien- und Kommunikationsbranche mit niedrigschwelligen Tipps und weiterführenden Hinweisen.

Ziel des Bündnisses ist es, Sexismus und sexuelle Belästigung zu erkennen, hinzusehen und zu zeigen, wie wir ihm gemeinsam entgegenwirken können. Die Vision ist eine Arbeitswelt und Gesellschaft, in der wirksame Maßnahmen ergriffen und zum Common Sense werden, um ein faires und respektvolles Miteinander für alle Menschen zu gewährleisten. Das können wir nur mit einer starken und vielfältigen Allianz erreichen.

Die Arbeit und Zielsetzung des Bündnisses gliedern sich dabei vor allem in folgende Bereiche:

Wir setzen uns für ein faires und respektvolles Miteinander ein und wollen, dass sich alle Menschen an ihren Arbeitsplätzen sicher fühlen und gleiche Chancen haben.

Wir wollen eine gleiche Teilhabe aller Menschen in Kultur und Medien, frei von Sexismus, sexueller Belästigung und rückwärtsgewandten Rollenstereotypen – an den Arbeitsplätzen, aber auch in Texten, Filmen und auf der Bühne.

Wir wollen einen öffentlichen Raum, in dem sich alle sicher fühlen können – unabhängig vom Geschlecht und der Uhrzeit.

Sexismus ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Er ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern hat ganz konkrete Folgen – nicht nur für die Betroffenen (meist Frauen), sondern für die gesamte Gesellschaft und ihre Organisationen. Er führt zu Diskriminierung und Chancenungleichheit, bietet den Nährboden für sexualisierte Belästigung und Gewalt und überschneidet sich oft mit anderen Benachteiligungsformen.

Sexismus und sexuelle Belästigung können zu Krankheit, Fehlzeiten und schlechtem Klima am Arbeitsplatz führen. Das bewusste Eintreten des Arbeitgebers gegen Sexismus ist daher nicht nur eine Frage des Anstands, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft und geht uns alle an. Damit Frauen und Männer an ihren Arbeitsplätzen sicher fühlen und gleiche Chancen haben, ist es wichtig, dass sich Führungskräfte in Unternehmen und Organisationen zu ihrer Verantwortung bekennen, ihre Mitarbeitenden vor Sexismus und sexueller Belästigung zu schützen. Das sorgt nicht nur für ein gutes Miteinander, sondern stärkt Unternehmen und Organisationen insgesamt – nach innen wie nach außen.

Auch Kultur und Medien spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen Sexismus und sexuelle Belästigung: Hier nahm die weltweite MeToo-Bewegung ihren Anfang. Sie zeigte das Ausmaß von bis dato tabuisierten sexistischen Übergriffen und sexualisierter Gewalt im Rahmen von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen. Darüber hinaus kommt diesem Bereich eine besondere Verantwortung zu, denn hier werden sexistische und geschlechterstereotype Darstellungen produziert und verbreitetet, die sexistisches Denken und Handeln befördern. Es sind Bilder und Geschichten, die wir bewusst oder unbewusst aufnehmen und die unsere Gefühlswelten und Verhaltensweisen schon in der Kindheit beeinflussen.

Auch der öffentliche Raum und öffentliche Verkehrsmittel sind ein häufiger Ort für Sexismus. Dieser äußert sich in tätlichen und verbalen Übergriffen, aber auch im Vorhandensein sexistischer Werbung auf Plakatwänden oder Fahrzeugen. Die Folgen von Sexismus im Öffentlichen Raum sind ein fehlendes Sicherheitsgefühl und Angst. Das führt unter anderem dazu, dass insbesondere Frauen ihre Bewegungsfreiheit einschränken und Orte wie Haltestellen oder gar die Nutzung des ÖPNV meiden.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Verantwortliche in Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Institutionen sich der Auswirkungen von Sexismus bewusst werden, ein klares Zeichen gegen Sexismus setzen und Maßnahmen entwickeln und umsetzen, um ihnen vorzubeugen und entgegen zu wirken.

Das Bündnis “Gemeinsam gegen Sexismus“ unterstützt Sie dabei – denn in einer offenen, modernen und gleichberechtigten Gesellschaft und ihren Institutionen hat Sexismus keinen Platz!