Veranstaltungsbericht
02.09.2025

Kulturwandel statt Fachkräftemangel

Am 13. Oktober 2025 fand das letzte Netzwerktreffen des Bündnisses „Gemeinsam gegen Sexismus“ in diesem Jahr statt – diesmal in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Berliner Handwerker*innen. Rund 85 Teilnehmer*innen, Bündnispartner*innen und weitere Interessierte aus den Branchen Mittelstand und Handwerk tauschten sich zum Thema „Faire Betriebskultur und starke Teams – Wege aus dem Fachkräftemangel für Mittelstand und Handwerk“ aus.

Zu Beginn des Treffens begrüßten Cansel Kiziltepe, Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung sowie Mitglied des Bundesrates, und Katharina Jestaedt, Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Teilnehmer*innen mit Grußworten.

Ein fachlicher Input von Dr. Lydia Malin, Senior Economist für Qualifizierung und Fachkräftesicherung im Themencluster Berufliche Qualifizierung & Fachkräfte des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), brachte alle Teilnehmer*innen der Veranstaltung auf denselben Wissensstand: Handwerker*innen werden dringend gebraucht! Trotz guter Rahmenbedingungen, wie etwa einer hohen Mobilität, könnten jedoch rund die Hälfte der offenen Stellen nicht besetzt werden, da es schlicht an Arbeitssuchenden im Handwerk fehle.

Dr. Malin stellte daraufhin Handlungsmöglichkeiten für Politik und Unternehmen vor und zeigte auf Basis ihrer wissenschaftlichen Expertise, was es braucht, um Frauen und FLINTA-Personen im Handwerk zu halten und zu verhindern, dass sie die Branche teilweise unfreiwillig wieder verlassen.

Spannende und vielfältige Perspektiven brachten auch die drei Expertinnen im anschließenden Panel ein, das von Stefanie Klimmer vom Kompetenzzentrum für Berliner Handwerker*innen moderiert wurde. Diskutiert haben:

  • Anja Weusthoff, Abteilungsleiterin Frauen, Gleichstellungs- und Familienpolitik im DGB Bundesvorstand
  • Maren Kogge, Kirchenmalermeisterin, Miss Handwerk 2023, Gründerin der Initiative Buntes Handwerk
  • Charlotte Rath, Auszubildende Tischlerin

In der Diskussion standen die Themen faire Betriebskultur und Gleichstellung im Fokus. Die Panelistinnen erörterten, wo wir aktuell stehen und welche Herausforderungen es noch gibt. Ein weiterer Schwerpunkt war die hohe Abbrecher*innenquote im Handwerk und die Frage, welchen Einfluss die Betriebskultur darauf hat.

Deutlich wurde auch, wie wichtig es ist, bereits in den Berufsschulen über Rollenbilder zu sprechen, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Auch die Verantwortung von Führungskräften wurde thematisiert: Wie können sie zur Verbesserung der Arbeitskultur beitragen und warum sind sie dabei so wichtig? Abschließend wurden die Bedeutung von Netzwerken und Good Practices beleuchtet sowie Beispiele erfolgreicher politischer und betrieblicher Ansätze vorgestellt.

Zu Ende der Veranstaltung stand fest: Das Handwerk sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert. Neben dem demografischen Wandel und den Anforderungen der Klimawende spielt der Fachkräftemangel eine zentrale Rolle. Um das Handwerk zukunftsfähig zu machen, werden besonders Frauen als Fachkräfte auch in traditionell männerdominierten Gewerben dringend gebraucht.

Ein entscheidender Faktor ist dabei der Kultur- und Bewusstseinswandel in den Betrieben. Dieser muss früh ansetzen, etwa durch eine klischeefreie Berufsorientierung sowie eine Sensibilisierung in Schulen. Betriebe sollten zudem Ansprechpartner*innen für Frauen haben, damit Beschwerden und Diskriminierungserfahrungen geteilt und bearbeitet werden können. Ebenso wichtig ist die Einbindung weiblicher Perspektiven, Vorbilder und Ansprüche in Rekrutierungsmaßnahmen und Unternehmenskommunikation.

Darüber hinaus braucht es mehr Sichtbarkeit für Frauen im Handwerk sowie für Projekte und Initiativen, die sie unterstützen. Nur so kann eine nachhaltige Veränderung erzielt werden, von der Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen profitieren.

Weitere Tipps zur Förderung einer guten Betriebskultur und zum Abbau von Sexismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz sind in der Broschüre „Mit fairer Betriebskultur stark in die Zukunft!“ zu finden. Die Broschüre kann kostenlos bestellt werden.